Change.gov - Erste Eindrücke

Vor ein paar Tagen hatte ich über die neue Diskussionsfunktion auf change.gov berichtet.

Erste Eindrücke

Positiv ist, dass es inzwischen über 3.000 Beiträge zur Gesundheitspolitik gibt.

Allerdings sind mir auch zwei Dinge aufgefallen, die ich noch nicht optimal finde.

Sortierung der Beiträge im Forum

Etwas anderes irritiert mich ebenfalls ein wenig. Seit ich die Seite erstmals wenige Stunden nach der Eröffnung besucht habe, ist der Beitrag von kllmt zur Prävention der bestbewertete Beitrag. Meine Vermutung ist, dass das auch am Bewertungssystem liegt.

Die Beiträge werden standardmäßig nach der Bewertung in der jeweiligen Hierarchiebene diskutiert. Auch die Reaktionen auf einen Beitrag werden nach der Bewertung diskutiert. Alle Reaktionen auf den ersten Beitrag kommen aber, logischerweise, vor dem zweitbesten Beitrag. Wenn ich unbedingt gelesen werden sollte, ist es daher die beste Taktik, auf der vierten Reaktionsebene zu schreiben - dann bin ich der fünfte Beitrag auf der Seite.

Mit anderen Worten: Es ist viel sinnvoller, auf ein Unterthema des Top-Beitrags zu reagieren als etwas Neues beizutragen.

Außerdem muss man inzwischen Einiges lesen, bis man je zum zweiten Beitrag auf der Top-Ebene kommt. Alle, die lediglich zehn Minuten auf der Seite verbringen und Bewertungen abgeben, werden dieses für den derzeitigen bestbewerteten Beitrag tun. Damit bleibt er oben.

Ideen zur Verbesserung: Eine zufällige Auswahl aus den Top-10 Beiträgen statt des besten Beitrags zum Start, eine breitere Skala, Verhältnis positiver zu negativer Bewertungen statt positive minus negative Bewertungen, Gewichtung der Bewertungen nach Nutzeraktivität, …

Vergabe der individuellen “Reputation”

Offenbar kann man mit konsistent positiven Bewertungen (auch wenn diese jeweils nur von wenigen abgegeben werden) deutlich einfacher eine gute Reputation erreichen, als mit einem sehr positiv bewerteten Beitrag. Beispiel für Letzteres ist “kllmt” der Autor des Top-Beitrags auf change.gov, dessen Reputation minimal ist. “JanM” dagegen hat eine weit höhere Reputation mit kurzen Kommentaren erreicht.

Ich halte das nicht grundsätzlich für falsch, aber wenn die Nutzer auf ihre Reputation wert legen, werden sie eher versuchen, viele halbwegs gute Beiträge zu verfassen als sich einmal hinzusetzen und einen richtig guten Beitrag zu schreiben. Das führt sicher zu einer lebendigen Diskussion - ob die Diskussion dann richtig werden kann, sei dahingestellt.

Die Meinung von TechPresident

Allison Fine hat interessante Anmerkungen zu change.gov:

Zuhören

Sie weist darauf hin, dass das versprechen, zuzuhören, fehlt. Es müsse von vornherein geklärt sein, wie die Beiträge in die Diskussion innerhalb der Exekutive einfließen, um die richtigen Erwartungen zu setzen.

Offline

Außerdem sei es wichtig, dass es auch Offline-Diskussion zu dem Thema gibt - die Debatte könne nicht nur im Internet stattfinden.

Technik

Allison hofft, dass das Obama-Team weiterhin alle möglichen Techniken (Wiki, Blog, Twitter, …) ausprobiert, da noch nicht klar ist, was die beste Technik für diese Diskussion ist.

Ich bin auf Ihre Kommentare gespannt.

4 Kommentare zu “Change.gov - Erste Eindrücke”

  1. @Allison Fine

    ———————–
    Bewertungs-Matrix
    ———————–

    Gerne wird bei Produkten/Dienstleistungen eine Matrix (z.B. MS Excel, OpenOffice) verwendet:

    linke Spalte = Produkt/DL
    Kopfzeile = Kriteriengruppe mit Einzelkriterien

    ——– K10 - K11 - K12 - Gr1 — K20 - K21 - Gr2 — Gesamt — Rang
    Prod1
    Prod2
    Prod3

    Für jedes Prod/DL wird nun bei jedem Kriterium eine Note vergeben (Punktzahl 1-100).
    Zusätzlich wird der %-Anteil des Einzel-Kriteriums zur Gruppe und der %-Anteil der Gruppe zum Gesamt als Wichtigkeit/Bedeutung bestimmt.

    K10 = 10%
    K11 = 30%
    K12 = 60%

    K20 = 20%
    K21 = 80%

    Gr1 = 30%
    Gr2 = 70%

    Der Benutzer kann dann die Sortierung selbst auswählen: Gesamt, Gruppe, Einzel-Kriterium (je nach seinen Zwecken und Wünschen).

    Wenn man die Einzelkriterien als “objektiv” durch die Prüfenden vorgegeben ansieht, könnte der Benutzer die Wichtigkeit/Bedeutung evtl. sogar selbst bestimmen und zu einem persönlich abgestimmten Gesamt-Ergebnis kommen.

    Beim optimalen PC stellt sich z.B. die Frage nach Optik contra Leistung: bei max. Leistung wären viele Services (Hintergrundbild, Farbqualität, usw) ausgeschaltet und eher nur die Grundfunktionen aktiviert.

    ———————–
    Feedback
    ———————–

    Zu jeder Kommunikation sollte ein Feedback gehören: die Exekutive wird sicherlich erklären, daß die Beiträge in ein Qualitäts-Management von Entscheidungen in einer bestimmten Weise einfliessen und u.U. auch vertiefende Rückfragen stellen bzw. ursprüngliche Ziele anpassen.

    Die Ausführungen wurden lediglich aus der Wirtschaft “transferiert”, bei dem gerade US-Konzerne durch Kunden-Feedbacks eigene Verbesserungs-Management-Systeme entwickelt haben und nicht nur die Kunden-Zufriedenheit erhöht, sondern auch Kosten gesenkt und eigene Prozesse optimiert haben.
    Dazu gibt es Fallbeispiele in verschiedenen Marketing-Büchern (leider nicht mehr vorhanden), die ausführen, daß nicht nur eine flüchtige Image-Kampagnen vorliegen, sondern bestehende Informationssysteme erweitert und dauerhaft umorganisiert worden sind.

    change.gov soll sicherlich zeigen, daß ein Wahlkampf-Stil nicht mit Amtsantritt beendet ist, sondern mehr oder weniger in ein Leitbild (Mission Statement) einfliessen.

    Spannend wird es, wieviel und in welcher Form davon machbar sein wird und inwieweit die Politik in D bei Erfolg dem Marktführer folgen wird.

  2. Christoph Schwerdtfeger

    Zu der Bewertungsmatrix - ich bekomme immer mehr das Gefühl, dass eine rein deterministische Bewertung der Beiträge diejenigen, die zuerst oben sind, bevorteilt. Daher glaube ich, dass ein Zufallselement notwendig für die Online-Debatte ist.

    Die bisherige Bewertung des Beitrages sollte also nur die Chance, oben zu stehen, beeinflussen.

  3. Ranking

    IntenseDebate

    Die Wirkungsweise des Ratingverfahrens habe ich keineswegs vollständig verstanden: Quantität und Qualität sollen den Status (Ruf) eines Bloggers ausdrücken, der sich durch Beiträge in einer Vielzahl von Blogs begründen kann. Weitere Dienste (Services) sind damit verbunden, was mich an Tools für Ebay erinnert hat, um seine ganzen Aufträge, Angebote usw. dort zu überwachen und zu managen.

    Insgesamt erinnert es auch an das Google-Suchmaschinen-Ranking, weshalb es viele Bücher und Websites zu SEO (search engine optimization / Suchmaschinen-Optimierung) gibt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/PageRank

    Der PageRank ist Ausdruck für den Wert der eigenen Website; Ziel ist es auch, möglichst weit oben zu stehen.
    Neben der leichten Findbarkeit auf einer der ersten Google-Seiten soll der PageRank auch für den Google-Werbetarif bedeutsam sein.

    Auch dort macht man sich Gedanken über die Bewertungsverfahren (Ranking) von Google und versucht es auszutricksen bzw. manipulativ für seine Zwecke zu nutzen.

  4. Nachtrag:

    IntenseDebate versteht sich als Comment Management & Service Tool, das u.a. auch Ranking anbietet und scheint mit DISQUS in starker Konkurrenz zu stehen.
    Es wurde inzwischen von einer Firma aufgekauft, die größeren Einfluß auf die Entwicklung von Wordpress hat.

    http://www.disqus.com/docs/about/

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